Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 145 (Juni 2016)

Einfluss des Lebensstils auf das Fortschreiten der knöchernen Versteifung beim Morbus Bechterew

Von Dr. Sofia Ramiro, Prof. Dr. Robert Landewé, Dr. Astrid van Tubergen, Prof. Dr. Annelies Boonen, Dr. Carmen Stolwijk,
Prof. Dr. Maxime Dougados, Dr. Filip van den Bosch und Prof. Dr. Désirée van der Heijde aus den Niederlanden, Frankreich
und Belgien

Bei der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) schreitet die knöcherne Versteifung schneller fort

  • bei männlichen Patienten,
  • bei HLA-B27-positiven Patienten,
  • bei hoher Krankheitsaktivität,
  • bei Rauchern
  • und wenn bereits knöcherne Veränderungen vorhanden sind.1

Wir konnten kürzlich nachweisen, dass der Einfluss der Krankheitsaktivität besonders stark ist bei kurzer Krankheitsdauer und dass die Versteifung selbst bei inaktiver Krankheit fortschreitet, wenn bereits Syndesmophyten2 vorhanden sind.
Leider gibt es immer noch keine biologische Erklärung für die Syndesmophyten-Bildung. Es wird aber vermutet, dass mechanische Überlastungen dabei eine Rolle spielen.3
Eine Untersuchung, wie mechanische Überlastung und Entzündung bei der Entstehung der knöchernen Veränderungen zusammenwirken, wurde nie durchgeführt, weil es schwierig ist, die mechanische Belastung während eines Lebens zu quantifizieren.
Es ist jedoch naheliegend, anzunehmen, dass das Fortschreiten der knöchernen Veränderungen das Ergebnis der Kombination mehrerer Faktoren ist.
In Anbetracht des Fehlens brauchbarer Daten über die mechanische Belastung eines Patienten haben wir die Art des Berufs (körperlich anstrengend oder Schreibtisch-Tätigkeit) als Näherung für die lebenslange Belastung der Wirbelsäule verwendet. Allerdings muss dabei die Verknüpfung mit anderen Einflüssen berücksichtigt werden: Rauchen kann einerseits einen unmittelbaren Einfluss auf das Fortschreiten der Versteifung haben, kann aber andererseits auch mit der Art des Berufs verknüpft sein. Es ist also nötig, den Einfluss des Rauchens für beide Berufsgruppen getrennt zu untersuchen.
Auch die Einkommensverhältnisse können dabei eine Rolle spielen. Wir haben deshalb den Einfluss der Art des Berufs, des Rauchens und der sozioökonomischen Verhältnisse auf das Fortschreiten der knöchernen Versteifung beim Morbus Bechterew untersucht.

Untersuchungsmethode

Als Studienpopulation wurde die OASIS-Kohorte (Outcome in Ankylosing Spondylitis International Study) mit 217 Morbus-Bechterew-Patienten aus den Niederlanden, Frankreich und Belgien verwendet. Innerhalb von 12 Jahren wurden alle 2 Jahre Röntgenbilder der Hals- und Lendenwirbelsäule aufgenommen und daraus der modifizierte Stoke Ankylosing Spondylitis Spine Score (mSASSS)4 ermittelt. Er reicht von 0 (keine Veränderung) bis 72 (maximale Veränderung).
Als Maß für die Krankheitsaktivität wurde der ASDAS (Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score)5 verwendet, als Maß für die berufsbedingte Belastung unterschieden wir zwischen „Weiß-Kragen“- und „Blau-Kragen“-Berufen6. Beispiele für „Blau-Kragen“-Berufe waren Handwerker, Fabrikarbeiter und Transportarbeiter, Beispiele für „Weiß-Kragen“-Berufe“ waren Manager, Verwaltungsbeamte, Lehrer und Ingenieure.
Als sozioökonomische Faktoren wurden der Ausbildungsgrad und das monatliche Einkommen erfasst.

1) MBJ Nr. 122 S. 10–11, Nr. 126, S. 14–15, Nr. 129 S. 17, Nr. 130 S. 6–8
2) entzündungsbedingte, von Wirbelkanten ausgehende Knochenneubildungen entlang von Bändern
3) Bechterew-Brief Nr. 91 S. 17–22, MBJ Nr. 141 S. 4–9
4) MBJ Nr. 96 S. 8, Nr. 101 S. 16, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
5) MBJ Nr. 119 S. 10, Nr. 122 S. 21, Nr. 124 S. 17–18, DVMB-Schriftenreihe Heft 13
6) im Original: white-collar  und blue-collar.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!