Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 145 (Juni 2016)

GRAPPA-Empfehlungen für die Behandlung der Psoriasis-Arthritis mit Medikamenten

Von Dr. Laura C. Coates und 29 weiteren Wissenschaftlern aus vielen Ländern in Europa und Amerika und aus Australien

Die Psoriasis-Arthritis, charakterisiert durch Gelenkentzündungen, Enthesitis (Sehnenansatzentzündung), Daktylitis (Entzündung eines gesamten Fingers oder Zehs), und eine Wirbelsäulenbeteiligung bei Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte), kann ganz unterschiedlich verlaufen. Die Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis (GRAPPA), ein weltweiter Zusammenschluss von mehr als 500 Rheumatologen, Dermatologen und Patienten, veröffentlichte im Jahr 2009 Behandlungsempfehlungen für die Psoriasis-Arthritis, deren überarbeitete Fassung aus dem Jahr 2015 hier vorgestellt wird. Bei der Überarbeitung wurden wesentliche Erkenntnisse zum Krankheitsmechanismus, zur Verlaufsbeurteilung und zu Begleiterkrankungen sowie Fortschritte in der Therapie berücksichtigt. Die Empfehlungen beziehen sich auf erwachsene Patienten mit Psoriasis-Arthritis, nicht unbedingt auch auf jugendliche Patienten.

Übergeordnete Prinzipien
  1. Das Ziel jeglicher Therapie von Patienten mit Psoriasis-Arthritis ist
    a) die kleinstmögliche Krankheitsaktivität,
    b) möglichst wenig knöcherne Veränderungen, um Behinderungen klein zu halten und die Lebensqualität zu verbessern,
    c) unerwünschte Nebenwirkungen der Krankheit und der Therapie möglichst klein zu halten.
  2. Die Beurteilung des Krankheitsverlaufs erfordert die Beachtung aller möglicher Krankheitsfolgen einschließlich peripherer Gelenkentzündungen, der Wirbelsäulenbeteiligung, einer Enthesitis, Daktylitis, Psoriasis, und einer Nagelbeteiligung. Die Auswirkungen der Krankheit auf Schmerzen, Beweglichkeit, Behinderung und Lebensqualität muss beachtet werden. Außerdem muss die Aktivität von Begleit-Erkrankungen (Herzbeteiligung, Regenbogenhaut-Entzündung im Auge und entzündliche Darmkrankheiten) beachtet werden.
  3. Die Verlaufsbeurteilung schließt idealerweise Aussagen des Patienten über die Krankheitsvorgeschichte, die körperliche Untersuchung und häufig auch Laboruntersuchungen und bildgebende Techniken (Röntgen, Ultraschall, Magnetresonanz) ein. Es sollten wenn möglich die bei der Psoriasis-Arthritis erprobten Maße verwendet werden.
  4. Es sollte eine umfassende Untersuchung auf zusätzliche Erkrankungen (einschließlich – aber nicht nur – Fettleibigkeit, Stoffwechselkrankheiten, Gicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberkrankheiten, Depressionen und Ängste) unternommen und die Ergebnisse dokumentiert werden.
  5. Therapeutische Entscheidungen müssen gemeinsam von Arzt und Patient individuell getroffen werden. Die Therapie sollte die Vorlieben des Patienten berücksichtigen. Der Patient soll dazu die besten Informationen über mögliche Optionen bekommen. Die möglichen Optionen können von mehreren Faktoren abhängen einschließlich Krankheitsaktivität, bereits vorhandenen knöchernen Veränderungen, Begleiterkrankungen und vorausgegangenen Therapien.
  6. Idealerweise sollten die Patienten rasch beraten werden. Es sollte ihnen eine regelmäßige Überwachung durch geeignete Spezialisten angeboten werden und die Therapie sollte gemäß den Erfordernissen angepasst werden, um die Therapieziele zu erreichen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie dürfte von Nutzen sein.
Empfehlungen für die verschiedenen Krankheitsaspekte

Empfehlungen für unterschiedliche Krankheitsaspekte wurden in getrennten Gruppen erarbeitet. Bei den Medikamenten geht es um nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), „krankheitsmodifizierende“ (langsam wirkende) Medikamente (diseasemodifying antirheumatic drugs, DMARDs), TNF-alpha-Hemmer und weitere Biologika: Medikamente, die unterschiedliche Zytokine (Botenstoffe) hemmen.

Empfehlungen für die Behandlung von Begleit-Erkrankungen

Eine der Bearbeiter-Gruppen befasste sich speziell mit der Befund-Erhebung und Behandlung von Begleit-Erkrankungen bei der Psoriasis-Arthritis.
Zu den häufigen Begleit-Erkrankungen bei der Psoriasis-Arthritis gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes (Zuckerkrankheit), Fettleibigkeit, Stoffwechsel-Krankheiten, Osteoporose, Leberkrankheiten und Depressionen. Dazu kommen Krankheiten, die für Spondyloarthritiden typisch sind wie entzündliche Darmkrankheiten und Uveitis (Regenbogenhautentzündung im Auge).
Angesichts der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes bei Psoriasis-Arthritis-Patienten wird empfohlen, gezielt nach diesen Begleit-Erkrankungen zu suchen. Auch auf die Möglichkeit einer Augen- oder Magen-Darm-Beteiligung sollte geachtet werden, sowie auf Ängstlichkeit und Depressionen, und bei Patienten, die mit UV-Licht oder TNF-alpha-Hemmern behandelt wurden, auch auf Hautkrebs.
Alle Psoriasis-Arthritis-Patienten sollten aufgefordert werden, auf ein nicht zu hohes Körpergewicht zu achten. Dies ist bei Psoriasis-Arthritis besonders wichtig, weil bei Patienten mit normalem Körpergewicht die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass die Krankheit auf TNF-alpha-Hemmer anspricht.
Die Empfehlungen zur Behandlung von Begleit-Erkrankungen bei der Psoriasis-Arthritis sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Eine Untersuchung auf HIV, Hepatitis B, Hepatitis C und Tuberkulose im Einklang mit örtlichen Vorschriften und der medizinischen Praxis wird dringend empfohlen, bevor mit einer Therapie begonnen wird, welche die Immun-Abwehr beeinträchtigen kann.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!