Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 145 (Juni 2016)

Mein Leben mit dem „ständigen Begleiter“

von Arthur Meischt, Weimar-Niederweimar (Lahn)

Ich bin inzwischen 66 Jahre und führe trotz Morbus Bechterew ein schönes und zufriedenes Leben. Eigentlich bin ich der klassische und langweilige Fall, trotzdem schreibe ich diesen Erfahrungsbericht, weil ich damit vielleicht dem einen oder anderen Hoffnung machen kann, vor allen Dingen jungen Leuten, bei denen diese Diagnose erst kürzlich festgestellt wurde.
Meine erste „Begegnung“ mit dieser rheumatischen Krankheit erfuhr ich mit 30 Jahren, als ich mich bei uns in der Küche vor Schmerzen auf dem Boden krümmte. Meine Frau dachte, ich lache und lachte ebenfalls. Diese Schmerzattacke verging relativ schnell und kehrte so nie mehr zurück. In den nächsten Jahren traten immer wieder in unregelmäßigen Abständen Rückenschmerzen auf. Mein Hausarzt tippte auf Ischias und gab mir zunächst Schmerzmittel, später dann verabreichte er mir Spritzen gegen die Schmerzen.
Als ich dann mit 39 Jahren immer nachts sehr starke Schmerzen im Brustbereich bekam, schickte mich der Hausarzt zu mehreren Fachärzten, um verschiedene Ursachen, wie Herz, Lunge, Leber usw. auszuschließen.

Wanderung der DVMB-Gruppe Marburg im Jahr 2015 zum Christenberg, Münchhausen. Der Brillenträger ganz links mit Rucksack ist der Verfasser dieses Berichts.
Wanderung der DVMB-Gruppe Marburg im Jahr 2015 zum Christenberg, Münchhausen. Der Brillenträger ganz links mit Rucksack ist der Verfasser dieses Berichts.

Ein Orthopäde tippte nach meiner Schmerz-Schilderung auf Morbus Bechterew und schickte mich zu einem Rheumatologen. Dieser stellte dann – da war ich inzwischen 40 Jahre – zweifelsfrei die Spondylitis ankylosans fest. Ein Iliosakralgelenk war schon fest und verknöchert.
Für mich brach eine Welt zusammen – eine unheilbare Krankheit! War`s das? Im Kopf wird alles in Frage gestellt – meine Ehe, mein Beruf, mein Leben? Meine Frau gab mir Mut und Selbstvertrauen.
Die Folge waren Therapien mit jeder Menge Medikamenten bis hin zum Tropf.
Ich erfuhr dann von der Selbsthilfegruppe Morbus Bechterew in Marburg. Es kostete mich einige Überwindung, dorthin zu gehen, denn ich befürchtete Sitzkreis mit Gesprächen. Bei meinem ersten Besuch bei dieser Gruppe im Klinikum stellte ich sichtlich erleichtert fest, dass dort nur Gruppengymnastik, Wassergymnastik und Volleyball stattfand. Dieser Gruppe blieb ich regelmäßig treu, bis heute.
Auf meiner Arbeitsstelle traute ich mich lange nicht, von dieser unheilbaren Krankheit zu berichten.
Ich beantragte zwar über das Versorgungsamt einen Behindertenausweis, legte diesen aber meinem Arbeitgeber nicht vor. Erst Jahre später traute ich mich. Ich bekam sogar auch mehr Urlaub.
Meine Frau erfuhr dann, dass viele Morbus-Bechterew-Patienten nach Bad Gastein in einen Heilstollen fahren. Auf Befürworten meines Rheumatologen bekam ich Kuren verordnet und begab mich alle 2 Jahre für 3 Wochen mit 10 Einfahrten in den Heilstollen.
In der ersten Kur – ich war 43 Jahre alt – spürte ich nach der 5. Einfahrt das Nachlassen der Schmerzen. Das war in etwa so, als wenn man nach Kopfschmerzen eine Tablette nimmt und dann merkt, wie nach und nach die Schmerzen nachlassen – ein sagenhaft schönes Gefühl!
Nach den nächsten Einfahrten konnte ich deutlich feststellen, dass sich meine Beweglichkeit verbesserte. Ich meine damit, dass ich mit den Händen wieder bis zu meinen Füßen kam, meinen Kopf weiter drehen konnte, usw. Nach der Kur hatte ich zwar noch Schmerzen, jedoch wesentlich geringer, es war auszuhalten. Tabletten nahm ich nur noch sporadisch.
Monate nach der Kur ging es zwar wieder schlechter, aber nicht so schlecht wie vor der Kur.
Bei meiner zweiten Kur nach 2 Jahren verlief alles ähnlich, mit dem Ergebnis, dass ich danach fast schmerzfrei war.
Nach zwei weiteren Kuren und jeder Menge Sport konnte ich spüren, dass meine Krankheit zum Stillstand gekommen sein musste. Jetzt bin ich in der Lage, mit Gymnastik und Sport für evtl. Schübe vorzubeugen.
Abschließend kann ich nicht feststellen, was für den Stillstand meiner Krankheit verantwortlich ist. Waren es die richtigen Medikamente, war es mein Sport, waren es die Kuren im Stollen oder kam der Stillstand von alleine?
Ist mir letztendlich egal – wenn alles so bleibt, bin ich mehr als zufrieden.

Anschrift des Verfassers: Ist der Redaktion bekannt