Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 146 (September 2016)

Darf ich vorstellen…

Von Peter Koncet, Mitglied des DVMB-Bundesvorstands

Wie bereits an dieser Stelle vorgestellt, tragen gerade Personen aus den Untergruppierungen im DVMB-Getriebe zu den gewohnten Leistungen unseres Verbands bei. Um diese in gewohnter Qualität anzubieten, brauchen wir professionelle und ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich als integrierter Teil unserer Gemeinschaft finden und verstehen. Für die Mehrzahl unserer Mitglieder arbeiten sie im Verborgenen. Unsichtbar, aber genauso unverzichtbar. Ärztliche Berater stehen nicht nur auf unserem Briefbogen, sondern mit ihrem Sachverstand uns immer dann zur Seite, wenn medizinischer Rat gefragt ist und wir die Antwort als Laien so nicht geben können. Unser heutiger Vorstellkandidat musste dazu nicht überredet werden, denn nach seinem Selbstverständnis als Arzt gehört sich das einfach so, wenn man sich in einem besonderen Fachgebiet gut auskennt.
Seit „Erfindung“ des Internets ist die Aufbereitung verschiedenster Kommunikationswege eine ständig erneuerbare Aufgabe. Ebenso groß ist die Bandbreite in unserem Forum. Dessen Betreuung bedarf gleichfalls eines Moderators mit fachlichen Kenntnissen und sozialer Kompetenz. Gut, dass wir junge engagierte Mitglieder haben, die sich hier ohne offizielles Amt einbringen.

Privatdozent Dr. med. Karl Heinrich Böhm

begegnet man in seiner Freizeit häufig bei geologischen Erkundungen rund um seinen Wohnort in Thüringen. Kein Wunder, dass er seinen Urlaub am liebsten auch dort verbringt, wo es geschichtlich etwas Interessantes zu erkunden gibt. Gerne wäre er Naturforscher geworden, doch wie so oft kommt es im Leben anders. Streben nach medizinisch und menschlich optimaler Versorgung kranker Menschen sind ihm neben seiner Familie sehr wichtig. So wundert es nicht, dass er in seiner wenigen freien Zeit an besseren Verfahren und an Implantaten für die Wirbelsäulenchirurgie tüftelt. Ein wenig ist ihm Leonardo da Vinci ein Vorbild, dessen Intention es u.a. war, Maschinen zur Entlastung des Menschen bei ihrer Arbeit zu schaffen. Sein Wissen über Naturkräfte wollte er zum Nutzen der Menschheit einsetzen. Dr. Böhm ist begeistert, dass da Vinci im 16. Jh. bereits Flugmaschinen und Automobile erdacht und realistische Konstruktionszeichnungen dafür erstellt hat. Dr. Böhm, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, wurde im April 1953 im bayrischen Oppertshofen geboren. Aufgrund eines angeborenen Klumpfußes musste er sich im Kindesalter mehreren Operationen unterziehen und mit orthopädischen Hilfen leben. Für sein Umfeld stand fest: „Der Bub wird keine schwere Arbeit verrichten können, also muss er was lernen“. So ging er zunächst auf die Realschule Heilig Kreuz in Donauwörth. Nach Erlangung der „Mittleren Reife“ wechselte er aus eigenem Antrieb in die Oberstufe des Johann- Michael-Sailer-Gymnasiums in Dillingen und absolvierte 1973 dort sein Abitur. Noch im gleichen Jahr begann er sein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Zur Durchführung einer experimentellen Doktorarbeit über den Stoffwechsel von Botenstoffen (Neurotransmitter) im Gehirn verbrachte er zwei Semester als Stipendiat der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“ an den „Bernard Baron Research Laboratories“, Queen Charlotte´s Hospital, University of London. 1986 schloss er seine Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie ab. Bis 1993 qualifizierte er sich im Deutschen Skoliosezentrum in Bad Wildungen und im Rehabilitationskrankenhaus Karlsbad-Langensteinbach in der Wirbelsäulenchirurgie weiter. Im Jahr darauf baute er als Chefarzt der „Klinik für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie“ an der Zentralklinik Bad Berka die Wirbelsäulenchirurgie neu auf und fügte 1998 eine Abteilung für Querschnittgelähmte hinzu. 2007 wurde ihm der Titel eines „Professor in Work“ der Faculty of Medicine, University of Assiut, Ägypten, verliehen. 2014 wurde ihm die Lehrbefugnis nach Abschluss der externen Habilitation an der Justus-Liebig-Universität Gießen erteilt. Schon während seiner Tätigkeit in Bad Wildungen, wo Dr. Böhm Morbus-Bechterew-Patienten wissenschaftlich betreute, wurde er auf die DVMB aufmerksam. Zudem schien ihm das Wissen über Morbus Bechterew in der ärztlichen Berufsausbildung und im allgemeinen Versorgungsalltag nicht gut repräsentiert. Da ihm die Information und Beratung betroffener Patienten und somit deren Selbsthilfeorganisation umso wichtiger erschien, entschloss er sich, sich für die DVMB zu engagieren, um eine Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Morbus Bechterew durch Hilfe zur Selbsthilfe für einen „informierten Patienten“ zu erreichen. So sagte er auch Ludwig Hammel umgehend zu, als dieser ihn auf der Suche nach einem Ärztlichen Berater für den Bereich der Wirbelsäulen-Chirurgie ansprach. Dass noch viel zu tun ist, sieht er in seiner täglichen Arbeit.

Christian Plöger

erhielt 1997 die Diagnose Morbus Bechterew eher zufällig. Ein Chirurg hatte ihn nach einer Knie- Operation zum Rheumatologen geschickt. Erste Symptome für einen Morbus Bechterew traten bei ihm bereits als Jugendlicher auf. Allerdings wurden diese mit wachstumsbedingten Beschwerden oder auch mangelnder Bewegung abgetan. Im Alter von 16 Jahren war die Diagnose für ihn ein ziemlicher Schock. Vor allem auch deshalb, weil es in dieser Zeit noch nicht die vielen Quellen im Internet gab und er so aus alten Lehrbüchern mit den Bildern extrem krummer Betroffener konfrontiert wurde. Heute hat er die Diagnose akzeptiert und nimmt auch hin, dass es an einzelnen Tagen einfach mal nicht so geht, wie er es gerne hätte. „Ich packe mich nicht in Watte und fordere meinen Körper durchaus auch auf anstrengenden Wanderungen oder langen Strecken beim Nordic Walking“. Geboren wurde Christian Plöger, der heute in Münster lebt, Anfang Juli 1981 in Hannover. Nach seinem Abitur in Celle begann er 2001 in Hannover eine duale Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker. Im Anschluss absolvierte er ab 2004 einen Aufbaustudiengang zum Diplom-Wirtschafts-Informatiker (FH). Heute arbeitet er weiterhin im IT-Bereich. Von der Softwareentwicklung, in der er während der Ausbildung tätig war, hat er sich sehr weit entfernt und gehört jetzt einer Abteilung an, die für das aus einer Fusion neu entstandene Unternehmen einige Teilprozesse neu gestaltet und im Anschluss auch verantwortet. Seine erste Reha-Maßnahme erhielt er 2008 in Bad Kreuznach. In der dortigen Patientenschulung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie wurde er im Modul Selbsthilfe auf die DVMB aufmerksam. Kurz nach der Reha wurde er 2009 Mitglied in der DVMB. Seine Haupterwartung an die Mitgliedschaft war, hierüber einen Austausch mit anderen Betroffenen und Kontakt zu anderen – vor allem jüngeren – Betroffenen zu bekommen, da er in seiner Sportgruppe immer das Küken war. Über das Netzwerk Junge Bechterewler lernte er Karl Stutzki und Peter Will kennen. 2011 ergab es sich, dass er mit Karl Stutzki gemeinsam in Bad Kreuznach zur Reha war. Dieser konnte ihn überzeugen, die Verantwortung für das Internetforum der DVMB zu übernehmen. Später baute er die Facebook- Seite der DVMB auf, die er aktuell mit Elke Burkert und Kathrin Reinsch betreut. Typisch für ihn ist, dass er eher im Hintergrund arbeitet und das Rampenlicht auch gerne einmal anderen überlässt. „Da ich das Glück habe, dass man mir die Erkrankung nicht ansehen kann, habe ich oftmals das Problem, dass viele Ärzte meinen, ich hätte gar keinen Morbus Bechterew“. Daher ist es ihm persönlich ganz wichtig, dass wir es als Verband schaffen, den Ärzten klar zu machen, dass es auch beim Morbus Bechterew ein enormes Spektrum an Verlaufsformen gibt und die Krankheit bei jedem anders verlaufen kann. Aus diesem Grund hat er sich entschieden, trotz seiner hohen beruflichen Belastung, sich als Patient Partner ausbilden zu lassen. Zu seinen Freizeitaktivitäten befragt, erfährt man, dass er jahrelang in einer Big Band Jazz gespielt, in einem Feuerwehr-Musikzug Märsche und in einem Chor klassische Werke gesungen hat. Aktuell singt er in einem Chor eher klassisches Repertoire. Neben der inzwischen fast zweiten Heimat im dänischen Ebeltoft, wo er das erste Mal im Alter von wenigen Monaten war, hat ihm von seinen Urlaubsreisen bisher mit Abstand Mexiko am besten gefallen. Inzwischen war er schon zweimal dort und ist immer noch von der Kombination aus Kultur, Aktivurlaub und Relaxen am Strand begeistert. Genauso wohl fühlt er sich im heimischen Münsterland. Sofern das Münsteraner Wetter es zulässt, ist er in seiner Freizeit gerne draußen, sei es, um Sport zu betreiben (Nordic Walking oder Wandern), zu fotografieren oder auch manchmal nur die Sonne bei einem guten Buch zu genießen. Bei ihm hat sich als Lebensmotto gefestigt, dass es immer einen Weg gibt, etwas zu erreichen, sofern man es wirklich will. Dieser Weg muss ja kein direkter sein, sondern kann durchaus einige Schlenker haben.