Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 146 (September 2016)

Erste Hilfe und Morbus Bechterew

von Katja Albertshofer, BRK-Ausbilderin, und Erwin Weis, Gruppensprecher, Fürstenfeldbruck

Am 16. April trafen sich in der Unterkunft des örtlichen THW in Fürstenfeldbruck (FFB) sechzehn DVMB-Mitglieder aus ganz Bayern zu einer Fort- und Weiterbildung in Sachen Erste Hilfe.

Unser Ziel: Eine klassische Erste-Hilfe-Ausbildung mit Zertifikat, angepasst auf unser Krankheitsbild Morbus Bechterew mit seinen Einschränkungen, zu erhalten. Dieser Kurs wurde von Katja Albertshofer geleitet, Ausbilderin im Kreisverband FFB des Bayerischen Roten Kreuzes. Unterstützung bei den praktischen Übungen kam von Ingeborg Weis, Krankenschwester und Rettungsschwimmerin bei der Wasserwacht FFB. Zu Beginn berichteten wir gemeinsam über unsere eigenen, letzten, absolvierten Kurse und darüber, was davon noch bekannt war. Hier zeigte sich, dass eine Teilnahme vor drei bis dreißig Jahren (oder auch noch nie) genau das Bild in Deutschland widerspiegelt. Bevor wir dann zu den praktischen Übungen am „lebenden Objekt“ kamen, gab es erst einmal einen theoretischen Block mit Grundlageninformationen und neuen Erkenntnissen aus der Ausbildung.

Wissen Sie noch, dass

  • helfen einfacher ist als man denkt?
  • es eine gesetzliche Verpflichtung zur Hilfe gibt?
  • das Bewusstsein, der Kreislauf und die Atmung in engem Zusammenhang stehen und es zum Sauerstoffmangel kommt, wenn eine lebenswichtige Funktion ausfällt?
  • die Erste Hilfe diesen Sauerstoffmangel verhindern kann?
  • es nur eine „falsche Erste Hilfe“ gibt: wegschauen?
  • der europaweite Notruf über 112 erreichbar ist? Und nun, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie bis hierher gekommen sind, haben auch Sie den trockenen Teil der Theorie überstanden, jetzt geht’s in die Praxis.

Erste Übung: stabile Seitenlage. Gar nicht so einfach, wenn dabei auch der Rücken schon stabil ist und da doch gewisse Grenzen aufgezeigt werden. Zusammen mit unseren Ausbildern haben wir aber auch dafür Wege gefunden eine sichere Seitenlagerung herzustellen.
Muss ein ansprechbarer Verletzter bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Boden gelagert werden (bei vorhandener normaler Atmung und ohne Bewusstsein), haben wir bekanntermaßen da so unsere Probleme. Ohne unterstützendes Material unter dem Kopf ist dieses schwierig. Wie überbrückt man 10 – 15 cm vom Kopf bis zum Boden? Es gibt da auch eine Lösung. Hier ist das Wichtigste: das Ergebnis muss stimmen: Atmung erhalten, Mund so tief wie möglich. Mit ein wenig Abpolstern am Kopf ist uns dies gelungen. Wichtig: Bitte nicht zu viel unter den Kopf legen! Der Zwischenraum zwischen Kopf und Boden kann dabei durchaus mit einer Jacke oder ähnlichem aufgefüllt werden, um die Halswirbelsäule zu entlasten. Jedoch ist ein überhöhtes Lagern des Kopfes zu vermeiden: Der Mund muss der tiefste Punkt bleiben, damit Erbrochenes ausfließen kann und die Atmung nicht gefährdet wird.

Nächster Teil: Wundversorgung: Hier haben wir die richtige Anwendung der Verbandpäckchen, Mullbinden und Kompressen bei den unterschiedlichen Verletzungen geübt. Auch wenn es einfach erscheint, ist es doch nicht so einfach, einen Verband sicher anzulegen. Besonders geübt wurde der Druckverband bei stark blutenden Wunden, um einen Blutverlust zu vermeiden. Sie erinnern sich? Der Sauerstoffmangel? Dieser kann auch bei einem starken Blutverlust eintreten und lebensbedrohlich werden.

Nach der Mittagspause ging es mit einem wichtigen Thema weiter: Der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Nach einer theoretischen Einweisung übten wir das Ablaufschema ausgiebig an Übungspuppen. Es war erstaunlich, wie „lebensecht“ sich das anfühlte. Die Übungspuppen sind nahe an der Realität und es kostete uns einige Mühen. Auch hier bekamen wir gute Tipps, da es sich aufgrund unserer körperlichen Einschränkung schwierig gestaltete. Und wenn es gar nicht geht im Ernstfall? Dann können wir jederzeit jemanden zur Hilfe anleiten!
Interessant für alle war auch die Einweisung in den AED (automatisierter externer Defibrillator): Ein automatischer Defibrillator, der auch in öffentlichen Gebäuden oder Bahnhöfen für jedermann zugänglich ist. Hier erkannten wir: Das Gerät ist nicht einfach zu bedienen, aber man kann es leicht erlernen. Die Scheu vor diesem Gerät wurde uns genommen.

Fazit: Der Tag war fast zu kurz, um alle Fragen vollständig zu klären. Wir alle haben jetzt aber einen guten Eindruck davon bekommen, wie wir trotz Bewegungseinschränkungen Ersthelfer sein können und auch als Verletzte gut versorgt werden können. Wie sagte unsere Ausbilderin: „Der gesunde Menschenverstand – mit diesem ist jede Situation zu meistern“.
Interessant war hierbei festzustellen, in wieweit die bei jedem unterschiedlich fortgeschrittene Versteifung der Wirbelsäule die „richtige“ Einrichtung einer stabilen Seitenlage oder die Ausführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung
beeinträchtigt hat.

Wichtigste Erkenntnis: Wir können alle helfen! Und eine Auffrischung unserer Kenntnisse kann in ein paar Jahren nicht schaden.