Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 146 (September 2016)

„Morbus Bechterew – Basiswissen“

von Jana Schulze, 15306 Lindendorf in Brandenburg

Am 2. April 2016 war es soweit. Ich machte mich auf den Weg nach Leipzig zum 101. Seminar „Morbus Bechterew
– Basiswissen“. Mit gemischten Gefühlen,was mich wohl erwarten würde, traf ich zu einem gemeinsamen „Willkommens-Mittagessen“ ein und schon hier konnte man mit seinen Tischnachbarn ins Gespräch kommen. Die erste „Hürde“ war genommen und meine Ängste,dass ich mit Abstand die jüngste Teilnehmerin sein würde, wurden bei weitem nicht bestätigt.
Nach dem Mittagessen begann das Seminar mit der Begrüßung und Vorstellung der Referenten. Weiterhin wurden wir aufgefordert, uns kurz vorzustellen und auch die Dauer bis zur Diagnosestellung mitzuteilen. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, seine Fragen bzw. Themenfelder auf Zettel zu notieren, damit später darauf eingegangen werden konnte.
Eröffnet wurde die Vortragsreihe von Prof. Dr. med. Gerd Köhler, Rheumatologe und Facharzt für Orthopädie, mit einem Referat über medizinische Aspekte des Morbus Bechterew. In einem interessanten und auch äußerst verständlichen Vortrag wurde mit Hilfe von vielen anschaulichen Bildern und Tabellen auf Formen des Morbus Bechterew, Nachweisverfahren, u.a. bildgebende Verfahren, Einflussfaktoren wie z.B. Stress und Umwelteinflüsse, eingegangen. Schnell lernten wir, wie wichtig es ist, bei unseren behandelnden Ärzten eine genaue Beschreibung unserer Beschwerden und eine exakte Dokumentation, z.B. auch mit Hilfe von Fotos, klaren Befunden usw. abzugeben, um so eine optimale Behandlung zu erreichen. Während des Vortrages betonte Prof. Köhler immer wieder, dass man sich von dem Begriff Krankheit entfernen sollte. Krank sei man lediglich im entzündlichen Schub. Und wie wichtig die tägliche Bewegung bzw. aktive Therapie sei. Der Morbus Bechterew lässt sich dadurch zwar nicht verhindern, aber zumindest doch um einiges verlangsamen.
Gesagt getan! Mit der leitenden Krankengymnastin Katharina Conti ging es nun zur Trockengymnastik. Frau Conti zeigte uns verschiedene Gymnastik- und Dehnübungen und lockerte die Atmosphäre mit einigen Anekdoten aus ihrem Leben auf. Ludwig Hammel, Geschäftsführer der DVMB und selbst Morbus-Bechterew-Patient, ließ es sich nicht nehmen dem einen oder anderen seine Hilfe anzubieten und auch selbst mit zu turnen.
Kurz vor dem Abendessen referierte Prof. Köhler dann noch zum Thema Medikamente. Hierbei erläuterte er die unterschiedlichsten Medikamentengruppen wie z.B. NSAR, Sulfasalazin, lokale Kortikosteroide, TNF-alpha-Blocker und deren Wirkmechanismen. Dazu referierte er über entsprechendeHalbwertszeiten bei NSAR und Nebenwirkungen von Medikamenten.
Ein schöner Abschluss des ersten Seminartages waren das gemeinsame Abendessen und insbesondere die Gesprächsrunden. Jeder Seminarteilnehmer hatte auch hier nochmals die Möglichkeit, seine Fragen an die Referenten zu stellen, und diese wurden dann auch äußerst geduldig beantwortet und mit den anderen Teilnehmern diskutiert.
Am Sonntag begann dann der zweite Seminarteil in der Hotelschwimmhalle mit Wassergymnastik. Spätestens hierbei wurde jeder wach. Gefördert durch die verschiedenen Übungen und motiviert durch ein lustiges Mannschaftsspiel ging es dann wieder in den Seminar-raum. Ludwig Hammel ging auf die anfangs erwähnte Dauer der Diagnosestellung ein. Schnell wurde klar, dass bei den meisten Seminarteilnehmern erst nach vielen Jahren eine gesicherte Diagnose gestellt wurde. Umso wichtiger ist es, in der Lage zu sein, dem Arzt richtig mitzuteilen bzw. richtig zu definieren, was einem fehlt. Wir wurden auf entsprechende Vorbereitungsbögen für den Arztbesuch aufmerksam gemacht. Herr Hammel gab uns nützliche Tipps für den Alltag: über Fahrradausstattungen, Sportarten, Schreibtischstühle, Autositze, Matratzen, Lagerungskissen und vieles mehr. Ich denke, jeder Seminarteilnehmer konnte von dem einen oder anderen Hinweis profitieren. Alles in allem wurde uns auf eine angenehme Art und Weise vermittelt, dass jeder selbst ausprobieren muss, was einem gut tut. Wichtig dabei ist, auf Haltung zu achten, täglich seine Übungenrichtig durchzuführen, Arztbesuche wahrzunehmen und Beschwerden richtig zu beschreiben, auf eine allgemeine Gesundheit zu achten, sein eigenes Verhalten zu beobachten, auch Grenzen zu akzeptieren und vor allem LEBENSFROH zu bleiben.
Zum Seminarabschluss gab Ludwig Hammel vielfältige Informationen zu Aktivitäten der DVMB. Ein umfangreiches Literaturangebot wurde vorgestellt und jeder Seminarteilnehmer hatte nicht nur die Möglichkeit, darin zu blättern, sondern auch zu kaufen – was gerne angenommen wurde.
Abschließend lässt sich sagen, dass das Seminar wohl für jeden Seminarteilnehmer eine Bereicherung im Umgang mit der Erkrankung Morbus Bechterew ist und jedem frisch diagnostizierten Patienten wärmstens empfohlen werden kann.

Anschrift der Verfasserin: Lindenstr. 14, 15306 Lindendorf