Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 146 (September 2016)

Spondyloarthritis im Rahmen einer entzündlichen Darmkrankheit

Von Prof. Dr. Paolo Gionchetti, Dr. Carlo Calabrese und Dr. Fernando Rizzello, Universität Bologna, Italien

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden Hauptformen einer entzündlichen Darmkrankheit. Es handelt sich um (schulmedizinisch) unheilbare, häufig sehr behindernde Krankheiten, welche die Lebensqualität beeinträchtigen, eine umfangreiche medizinische und chirurgische Behandlung erfordern und eine schwere Belastung für die Gesellschaft insgesamt darstellen. Was sie zu einer besonderen Herausforderung macht, ist ihre unbekannte Ursache, ihre nicht vorhersehbaren Symptome, ihre keineswegs befriedigenden Behandlungsmöglichkeiten und ihre ständig zunehmende Häufigkeit in vielen Gegenden der Welt. Der Krankheitsverlauf ist charakterisiert durch Perioden hoher Entzündungsaktivität im Wechsel mit Perioden relativer Beschwerdelosigkeit.
Die Colitis ulcerosa (geschwürige Grimmdarmentzündung) ist so stark mit Blutungen aus dem Enddarm verknüpft, dass deren Abwesenheit diese Diagnose praktisch ausschließt. Die Blutungen können mit Bauchschmerzen, Durchfall und Zeichen allgemeinen Unwohlseins wie Fieber oder Blutarmut verbunden sein, wenn die Krankheit einen großen Teil des Colons (des Grimmdarms, d. h. des größten Teils des Dickdarms) befällt. Sie können aber auch das einzige Krankheitszeichen darstellen, wenn nur das Ende des Grimmdarms oder der Enddarm betroffen ist.
Die Anzeichen eines Morbus Crohn (Entzündung der Darmschleimhaut, besonders im Dünndarm) sind häufig noch vieldeutiger, je nach dem Ort der Entzündung. Zu den typischen Zeichen eines aktiven schweren Morbus Crohn gehören Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen und häufiger blutiger Durchfall. Weil bei über 80% der Morbus-Crohn-Patienten auch der Dickdarm beteiligt ist, ähneln Teile der Beschwerden denen der Colitis ulcerosa. Da bei fast 90% aller Morbus-Crohn-Patienten gelegentlich eine Darmverengung oder eine Komplikation mit Durchdringung der Darmwand (Fistel oder Abszess) auftritt, ist ein operativer Eingriff oft unausweichlich.
Wichtig ist, einen aggressiven Krankheitsverlauf rechtzeitig zu erkennen und ihm mit einer entsprechend aggressiven Therapie rechtzeitig zu begegnen. Ein aggressiver Krankheitsverlauf ist vor allem bei einem Krankheitsbeginn in jugendlichem Alter zu erwarten. Bei der Colitis ulcerosa ist ein schwerer Krankheitsverlauf außerdem bei umfangreichen Krankheitszeichen zu erwarten und beim Morbus Crohn bei einer Beteiligung höher liegender Teile des Magen-Darm-Trakts und des Enddarms. Beim Morbus Crohn trägt auch Rauchen zur Schwere der Krankheit bei.
Eine Beteiligung der Wirbelsäule wird nach neueren Untersuchungen bei 10%–25% der Patienten mit einer entzündlichen Darmkrankheit beobachtet, eine Beteiligung der Kreuzdarmbeingelenke bei 30%-36%. Beim Morbus Crohn ist die axiale1 Beteiligung häufiger als bei der Colitis ulcerosa.
Eine Beteiligung peripherer Gelenke wird bei 0,4%–35% der Patienten mit einer entzündlichen Darmkrankheit beobachtet, bei Morbus Crohn häufiger (20%) als bei Colitis ulcerosa (10%). Risikofaktoren für eine periphere Gelenkbeteiligung bei einer entzündlichen Darmkrankheit sind

  • hohe Krankheitsaktivität der Darmkrankheit,
  • entzündliche Darmkrankheit in der nahen Verwandtschaft,
  • Blinddarmentfernung in der Vergangenheit,
  • Rauchen, und
  • andere Begleiterkrankungen wie Erythema nodosum (Ausschlag mit relativ großen, kreisrunden, bläulich-rötlichen erhabenen Flecken vorwiegend an den Beinen) oder Pyoderma gangraenosum (geschwürig aufbrechender schwerster Hautausschlag vorwiegend im Gesichts-, Hals- oder Brustbereich).

Manchmal treten die Wirbelsäulen- oder Gelenkbeschwerden mehrere Jahre vor Diagnose der Darmerkrankung auf.

1) die Körperachse (Wirbelsäule, Kreuzdarmbeingelenke) betreffend

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