Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 146 (September 2016)

Vitamin D und Morbus Bechterew

Von Dr. Ihsane Hmamouchi, Simon Paternotte, Dr. Anna Molto, Adrien Etcheto, Dr. Didier Borderie, Dr. Bernard Combe und Prof. Dr. Maxime Dougados, Paris und Montpellier, Frankreich

Abgesehen von seiner wichtigen Rolle für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Kalzium und Phosphat und für den Knochen-Stoffwechsel spielt Vitamin D auch bei weiteren Stoffwechsel-Prozessen und im Immunsystem eine wichtige Rolle. Neuere Studien ergaben, dass ein Vitamin-D-Mangel in der Allgemeinbevölkerung mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkran kungen verknüpft ist.
Vitamin D scheint auch bei der Vermei dung von Autoimmun-Krankheiten eine Rolle zu spielen. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Vitamin D als Immun-Modulator aktivierte T-Zellen, die zum Entzündungsprozess beitragen, bremst.
Auf dem Gebiet der Spondyloarthritiden1 wurde die Rolle von Vitamin D vor allem an Patienten mit deutlichen Veränderungen im Röntgenbild der Wirbelsäule (also einem fortgeschrittenen Morbus Bechterew) untersucht, mit widersprüchlichen Ergebnissen sowohl bezüglich der Häufigkeit eines Vitamin-D-Mangels als auch bezüglich eines Zusammenhangs zwischen Vitamin-D-Status und Krankheitsverlauf.
Eine Interpretation der Studienergebnisse wird vor allem dadurch erschwert, dass der Vitamin-D-Mangel bei diesen Patienten auch eine Folge der Schmerzen, Versteifung und Behinderung sein kann, indem sich behinderte Patienten weniger im Freien bewegen und so weniger dem Sonnenlicht aussetzen, das für die Bildung von Vitamin D im Körper so wichtig ist.2
Wir haben deshalb in 20 Rheumazentren den Vitamin-D-Status bei Patienten mit entzündlichen Rückenschmerzen und einem 
Verdacht auf eine Spondyloarthritis untersucht, also im Frühstadium der Erkrankung, in dem die Krankheit sich weniger auf Aktivitäten im Freien auswirkt.
Von unserer Studie ausgeschlossen wurden Patienten, deren Rückenschmerzen definitiv nicht auf einer Spondyloarthritis beruhten, und Patienten, die mit TNF-alpha-Blockern behandelt wurden.

Studienergebnisse

Von den 700 Patienten, die für unsere Studie untersucht wurden, erfüllten 486 die ASAS3-Klassifikationskriterien4 für eine axiale Spondyloarthritis. Die mittlere Vitamin-D-Konzentration betrug 54 nmol/Liter. Ein Vitamin-D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) wurde bei 51% der Patienten festgestellt, gegenüber 41% in der gesunden Allgemeinbevölkerung. Ein schwerer Vitamin-D-Mangel (weniger als 25 nmol/Liter) wurde bei 12% der Patienten festgestellt, gegenüber 5% in der gesunden Allgemeinbevölkerung.
Der Vitamin-Mangel war bei den Patienten im Winter und Frühjahr stärker ausgeprägt (58%) als im Sommer und Herbst (42% der Patienten). Unter den nicht-weißen Patienten (vor allem aus arabischen Ländern) hatten sogar 90% einen Vitamin-Mangel. Eine Abhängigkeit vom Alter oder Geschlecht wurde nicht gefunden.

1) entzündlichen Wirbelsäulenkrankheiten
2) MBJ Nr. 121 S. 16–22
3) Assessment of SpondyloArthritis international Society
4) MBJ Nr. 117 S. 39–40, Nr. 123 S. 5, DVMB-Schriftenreihe Heft 13

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