Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 146 (September 2016)

Wirbelfrakturen bei Morbus-Bechterew-Patienten

Dr. Debby Vosse, Universität Maastricht, Niederlande, Prof. Dr. Willem F. Lems, Universität Amsterdam,
und Prof. Dr. Piet P. Geusens, Universität Hasselt, Belgien

Bei Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) werden nach langer Krankheitsdauer vielfältige Veränderungen der Wirbelsäule beobachtet: einerseits Knochen-Neubildungen (Syndesmophyten, Überbrückungen zwischen Wirbelkörpern) und andererseits ein Verlust an Knochensubstanz innerhalb der Wirbelkörper. Die Entzündungsprozesse können zu einer Verknöcherung der Bänder führen, die die Wirbel zusammenhalten, sowie zu einer Verknöcherung der kleinen Wirbelgelenke und der Bandscheiben und so zur Versteifung der Wirbelsäule, auf der das Frakturrisiko in erster Linie beruht.
Wirbelkörper können keilförmig einbrechen und so zur Kyphose (Wirbelsäulenverkrümmung) beitragen (Bild 1).

Bild 1: Knochenveränderungen beim Morbus Bechterew im Röntgenbild: Knochenverlust und Knochenneubildung. Zwei der Brustwirbel wurden durch Frakturen keilförmig verformt. T5 = 5. Brustwirbel.
Bild 1: Knochenveränderungen beim Morbus Bechterew im Röntgenbild: Knochenverlust und Knochenneubildung. Zwei der Brustwirbel wurden durch Frakturen keilförmig verformt. T5 = 5. Brustwirbel.
Häufigkeit von Wirbelbrüchen bei Morbus-Bechterew

Das Wirbelbruch-Risiko ist bei Morbus-Bechterew-Patienten erhöht. Literatur-Angaben über die Häufigkeit eines Wirbelbruchs unter Morbus-Bechterew-Patienten reichen von 1,4% bis 39%.1
COOPER u.a. ermittelten 1994, dass das Risiko, eine im Röntgenbild erkennbare Wirbelfraktur zu erleiden, bei männlichen Morbus-Bechterew-Patienten 11 mal so hoch und bei weiblichen Morbus-Bechterew-Patienten 4 mal so hoch ist als bei Gesunden. Das Risiko eines Knochenbruchs außerhalb der Wirbelsäule ist dagegen bei Morbus-Bechterew-Patienten nicht erhöht.

Wirbelbruch-Diagnose

Die Entdeckung von Wirbelbrüchen stellt bei Morbus-Bechterew-Patienten eine Herausforderung dar. Rückenschmerzen und eine Verkrümmung der Wirbelsäule beruhen meist auf der krankheitsbedingten Entzündung und Fehlhaltung und nicht auf einem Wirbelbruch. Ein Wirbelbruch wird leicht übersehen, wenn kein Röntgenbild aufgenommen wird. Häufig ist die Fraktur erst im Computertomogramm sichtbar. Im Magnetresonanzbild oder einer Knochen-Szintigraphie kann man auch erkennen, ob es sich um eine alte oder neue Fraktur handelt: Bei neuen Frakturen sind Knochen-Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen) sichtbar. Auch die genaue Lage und Ausdehnung der Fraktur sind im Magnetresonanzbild oder einer Knochen-Szintigraphie besser erkennbar.
Man unterscheidet verschiedene Wirbelbruch-Typen: Ein osteoporotischer Wirbelkörper kann keilförmig, bikonkav (in der Mitte stärker als am Rand) oder gleichmäßig über den ganzen Querschnitt zusammenbrechen. Wenn die Wirbelsäule über eine längere Strecke versteift ist, können auch geringe Kräfte über den langen Hebelarm zu einem Wirbelbruch führen. Die Fraktur kann dann auch mit einer anderen Orientierung auftreten oder andere Teile des Wirbels (den Wirbelbogen oder verknöcherte Bänder oder Bandscheiben) miterfassen.

1) Bei der DVMB-Patientenbefragung im Jahr 2000 betrug die Häufigkeit nach langer Krankheitsdauer 14%, siehe MBJ Nr. 100 S. 15–20.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!