Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 147 (Dezember 2016)

Gleichgewichtsstörungen bei Morbus-Bechterew-Patienten

Von Dr. Ece Çinar, Prof. Dr. Yesim Akkoç, Doç. Dr. Hale Karapolat, Doç. Dr. Raika Durusoy und Dr. Gökhan Keser, Izmir, Türkei

Im Spätstadium eines Morbus Bechterew kann die Kyphose der Brustwirbelsäule im Verbund mit der knöchernen Versteifung der ganzen Wirbelsäule den Schwerpunkt des Körpers nach vorn verlagern. Der Patient beugt instinktiv seine Knie, streckt seine Hüftgelenke und kippt sein Becken nach hinten, um dies zu kompensieren (Bild 1). Dies macht insgesamt eine aufrechte Haltung und das Gehen längerer Strecken ermüdend. Die veränderte Körperhaltung kann außerdem zu Gleichgewichtsproblemen führen. Wir haben eine Studie durchgeführt, um das Ausmaß der Gleichgewichtsstörungen bei Morbus-Bechterew-Patienten zu ergründen.
Dazu haben wir 29 Morbus-Bechterew-Patienten, die ambulant die Rheuma-Abteilung oder die Abteilung für physikalische Medizin und Rehabilitation unseres Universitätsspitals aufsuchten, verglichen mit 21 Klinik-Mitarbeitern als Vergleichspersonen.

Methoden zur Untersuchung von Gleichgewichtsstörungen

Wir haben bei allen Patienten die Krankheitsaktivität mit dem BASDAI-Fragebogen und die Behinderung mit dem BASFI-Fragebogen ermittelt und die Beweglichkeit mit den BASMI-Messungen untersucht.1 Auf Gleichgewichtsstörungen wurden die Patienten mit folgenden Methoden untersucht:

  • Timed up and go“-Test: Benötigte Zeit zum Aufstehen, 3 m gehen, umkehren und sich wieder setzen,
  • „Chair rise“-Test: Benötigte Zeit zum 5 mal hinsetzen – aufstehen –hinsetzen,
  • Geh-Geschwindigkeit: in 6 Minuten zurückgelegte Strecke,
  • Romberg-Test: Zeit ohne zu schwanken beim Stehen mit offenen oder geschlossenen Augen mit den Füßen dicht nebeneinander auf weicher Unterlage, oder mit den Füßen tandemartig hintereinander,
  • Dynamic Gait Index (DGI) mit 8 Aufgaben, z.B. Gehen mit Tempowechsel, Gehen über Hindernisse, Treppensteigen etc,
  • Functional Gait Assessment (FGA): Beurteilung der Balancefähigkeit während des Gehens,
  • Berg Balance Scale (BBS) mit 14 Aufgaben, z.B. nach hinten schauen, auf einem Fuß stehen, usw.
  • Activity Specific Balance Confidence Scale (ABC): sturzassoziierte Selbstwirksamkeit,
  • Dizziness Handicap Inventory (DHI) mit 25 Fragen zu Schwindel- oder Gleichgewichts-Problemen, und
  • nctional reach test: Messung, wie weit die Person nach vorne reichen kann, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

Außerdem wurden die Patienten auf Depressionen untersucht.

Bild 1: a) Das Hohlkreuz und die Neigung des Beckens und des Kreuzbeins beim Gesunden. Das Körpergewicht wird senkrecht nach unten, aber schräg zur Ebene des Kreuzbeins auf die Hüftgelenke (schwarz) übertragen.
b) Steilstellung des Beckens beim Morbus-Bechterew-Patienten und daraus resultierende Aufhebung des Hohlkreuzes der Lendenwirbelsäule. Mit den Auswirkungen auf das Hüftgelenk und auf die Hals- und Kopfhaltung verändert sich die gesamte Statik.
c) Morbus-Bechterew-Patient im fortgeschrittenen Stadium mit gebeugten Knien zum Ausgleich der Hüftgelenkbeugung, mit Halsüberstreckung zum Ausgleich der Brustwirbelsäulenkyphose, und Fußballbauch zum Ausgleich der eingeschränkten Brustatmung.
Quelle: Bechterew-Brief Nr. 56 S. 13–16. Alle drei Teilbilder von © Dr. Detlef BECKER-CAPELLER.

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