Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 147 (Dezember 2016)

Herz-Operationen bei Morbus Bechterew

von Ivar Nackunstz, Seevetal

Bei Morbus-Bechterew-Patienten sind Herzerkrankungen keine Seltenheit. Daher möchte ich hier meine eigenen positiven Erfahrungen vorstellen und hoffentlich dem einen oder der anderen die Angst vor einer Herz-OP nehmen. Ich selbst bekam die Diagnose Morbus Bechterew bereits mit 16 Jahren. Die komplette Versteifung einschließlich Brustwirbelsäule und Halswirbelsäule trat zwischen 30 und 40 ein, dank intensiver Krankengymnastik glücklicherweise einigermaßen gerade. Die peripheren Gelenkentzündungen kamen erst mit TNF-alpha-Blockern unter Kontrolle. Inzwischen bin ich 61, sportlich mittelmäßig aktiv mit Wandern, Radfahren und Muskeltraining (Kieser) und bin mit meinem aktuellen Gesundheitszustand sehr zufrieden.
2007 bekam ich nach einem Kreislaufzusammenbruch die für mich überraschende Diagnose „Schwere Mitralklappen-Insuffizienz“, einfach ausgedrückt eine Gewebeschwäche der Herzklappenmechanik, ein weitgehend undichtes Ventil. Ich kam sofort in die Klinik, und eine Woche später hatte ich einen OP-Termin in der Herzchirurgie.
Dass ich im Albertinen-Herzzentrum in der richtigen Herz-klinik war, stand für mich außer Frage. Meine Sorge galt eher meiner steifen Wirbelsäule (4–5 Stunden bewegungslos auf dem OP-Tisch liegen, Beatmung ohne Überstrecken des Kopfs) und den ebenfalls verknöcherten Rippenbögen (Zugang zum Herzen für den Chirurgen). Ich habe sowohl mit den Kardiologen als auch den Chirurgen und den Anästhesisten in der OP-Vorbesprechung meine MB-Problematik ausführlich besprochen. Sie versicherten mir, dass sie damit zurechtkommen und keine Kollateralschäden zu erwarten sind.
Nach erfolgreicher Mitralklappen-Rekonstruktion und 2 Tagen auf der Intensivstation landete ich wieder im normalen Klinikbett, und es war tatsächlich alles gut gegangen, keinerlei Schmerzen an der Wirbelsäule oder sonstigen Gelenken, keine gebrochene Rippe und keine Probleme im Hals oder mit der Luftröhre!
Seitdem funktioniert die Mitralklappe tadellos, was jährlich mit einer Ultraschalluntersuchung kontrolliert wurde. Dabei stellte sich dann allerdings heraus, dass nun die Aortenklappe von Jahr zu Jahr immer undichter wurde, also die gleiche Gewebeschwäche wie bei der Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. 2015 beschloss ich gemeinsam mit dem Kardiologen, dass es Zeit wird, dieses Problem ebenfalls zu beseitigen, und meldete mich in der Herzchirurgie für Januar 2016 an, diesmal mit wesentlich weniger Sorgen bzgl. meiner MB-Randbedingungen. Der OP-Termin wurde nach Rücksprache mit dem Rheumatologen festgelegt auf 4 Wochen nach der letzten TNF-alpha-Blocker-Spritze. Also wieder ein großer offener herzchirurgischer Eingriff, diesmal mit Ersatz der defekten Aortenklappe durch eine neue Bioklappe. Ergebnis: siehe oben, alles ist gut gegangen, wieder keine Folgeschäden. Anders als 2007 bin ich diesmal sehr zügig wieder fit geworden, weil ich abgesehen von der defekten Aortenklappe einen guten Gesundheitszustand hatte.
Auch wenn jeder Morbus Bechterew etwas anders verläuft, möchte ich aufgrund meiner Erfahrungen ein paar Empfehlungen geben:

  • Wenn Sie merken, dass irgendwas mit Ihrem Kreislauf oder Herzen nicht mehr stimmt, gehen Sie zum Kardiologen und lassen Sie eine Ultraschalluntersuchung machen. Die EKG-(Vorsorge-)Untersuchung beim Hausarzt ist nicht unbedingt aussagekräftig. Reden Sie in der Herzklinik mit allen beteiligten Ärzten und den Schwestern über Ihre spezifischen MB-Probleme.
  • Bestehen Sie auf der Normalstation auf einem passenden Kopfkissen, damit Sie gut liegen und schlafen können. In der Reha hinterher habe ich mein Lieblingskissen von zuhause mitgebracht, das war noch besser.
  • Wenn doch noch lagerungsbedingte Schmerzen auftreten, lassen Sie sich stärkere Schmerzmittel geben, die Zeiten, wo man nach einer OP die Schmerzen im Krankenhaus erdulden musste, sind schon lange vorbei.
  • Und schließlich: Haben Sie Mut! Wenn abzusehen ist, dass Sie sich irgendwann einer Herz-OP unterziehen müssen, schieben Sie es nicht auf „später mal“. Je fitter Sie auf dem OP-Tisch landen, desto schneller geht hinterher die Rehabilitation.

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