Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 147 (Dezember 2016)

Morbus-Bechterew-Patienten wurden weniger häufig gestillt als Gesunde

Von Dr. Julie Montoya, Dr. Noelle Barbara Matta, Pierre Suchon, Dr. Marie Caroline Guzian,
Dr. Nathalie Lambert, Dr. Jean-Pierre Mattei, Prof. Dr. Sandrine Guis, Prof. Dr. Maxime Breban,
Prof. Dr. Jean Roudier und Dr Nathalie Balandraud, Marseille, Frankreich

Einleitung

Die Ursache des Morbus Bechterew ist unbekannt. Über 90% der Patienten tragen den Erbfaktor HLA-B27, und es wurden viele Hypothesen vorgeschlagen, wie dieser Erbfaktor zur Entstehung der Krankheit beitragen könnte. Es erkranken jedoch auch Menschen, die diesen Erbfaktor nicht tragen, und die überwiegende Mehrheit der HLA-B27-Träger erkrankt nicht am Morbus Bechterew.
Beim Ausbrechen der Krankheit scheinen Mikroben eine bedeutende Rolle zu spielen. Vor Kurzem wurde gezeigt, dass das Mikrobiom (die Darmflora) die Entstehung einer Spondyloarthritis beeinflusst.1 Der Aufbau des Mikrobioms beginnt mit der Geburt und vollzieht sich in den ersten Lebensmonaten. Mikroben der Mutter und der Umgebung besiedeln die Haut und den Magen-Darm-Trakt des Neugeborenen. Die Muttermilch enthält rund eine Milliarde Mikroben pro Liter und ist die erste Quelle zur Besiedelung des Magen-Darm-Trakts.
Wir untersuchten in unserer Studie, ob das Stillen eines Säuglings, das ein anderes Mikrobiom erzeugt als die Ernährung mit der Flasche, eine Schutzfunktion vor einem späteren Morbus Bechterew hat.

Untersuchungsmethode

Zur Beteiligung an unserer Studie wurden 210 HLA-B27-positive Morbus-Bechterew-Patienten eingeladen, welche die Rheuma-Abteilung des St.-Margarethen-Krankenhauses in Marseille aufsuchten. Nur 7 von ihnen konnten nach Rückfragen in ihren Familien keine Angaben machen, ob sie im Säuglingsalter gestillt oder mit der Flasche ernährt wurden, sodass sie nicht in die Studie eingeschlossen werden konnten. Patienten mit einer reaktiven Arthritis wurden ebenfalls nicht in die Studie eingeschlossen.
315 gesunde Geschwister aus den Familien der Patienten wurden gebeten, sich als Vergleichsgruppe zur Verfügung zu stellen, von denen 293 Angaben machen konnten, ob sie im Säuglingsalter gestillt wurden.
Weitere Vergleichsgruppen bestanden aus 280 nicht verwandten Gesunden aus Marseille, aus 100 Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis, die Angaben zum Gestilltworden-Sein machen konnten, und aus 112 Geschwistern dieser Patienten.

Studienergebnisse

Von den Morbus-Bechterew-Patienten waren 57% gestillt worden im Vergleich zu 72% ihrer gesunden Geschwister (Tabelle 1). Das mittlere Alter beim Krankheitsbeginn betrug 30 Jahre und hing nicht davon ab, ob der Patient gestillt worden war oder nicht.

Stillen reduziert die Morbus-Bechterew-Häufigkeit in der Familie

In 63 der 119 Familien mit mindestens einem Morbus-Bechterew-Patienten entschied sich die Mutter, all ihre Kinder zu stillen. In diesen Familien erkrankten 26% der Kinder an Morbus Bechterew. In 38 der 119 Familien mit mindestens einem Morbus-Bechterew-Patienten entschied sich die Mutter, all ihre Kinder mit der Flasche zu ernähren. In diesen Familien erkrankten 40% der Kinder an Morbus Bechterew. Das Stillen führt also zu einer signifikant (p < 0,05) geringeren Morbus-Bechterew-Häufigkeit.
Nur in 18 Familien wurden manche Kinder gestillt, andere mit der Flasche ernährt. Interessanterweise war in 9 dieser Familien das Kind, das später an Morbus Bechterew erkrankte, das einzige, das nicht gestillt worden war.

1) MBJ Nr. 141 S. 10

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