Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 149 (Juni 2017)

Entzündung und Schmerz

Von Prof. Dr. Peter M. Kern, Universitätsmedizin Marburg, Campus Fulda

Einleitung

Die Entzündung ist ein grundlegender biologischer Prozess, der in vielfältigen medizinischen Zusammenhängen auftritt. Sie dient dazu, ein als fremd erkanntes Antigen aus dem Organismus zu beseitigen. Da das Immunsystem mit seinen Immunzellen (z. B. weißen Blutkörperchen), Lymphknoten und dem Knochenmark überall im Organismus verteilt ist, kann eine Entzündung an praktisch jedem Ort entstehen und hat neben der lokalen immer auch eine systemische1 Dimension.

Ablauf des Entzündungsprozesses

Die Immunzellen beginnen nach ihrer Aktivierung, Botenstoffe (Zytokine)2 in das umgebende Gewebe abzugeben. Es ist heute eine Vielzahl solcher Botenstoffe bekannt. Für die Entstehung eines Entzündungsprozesses sind die Zytokine Interleukin-1 beta (IL-1ß), Interleukin 6 (IL-6) und Tumor-Nekrosefaktor alpha (TNF-a) von besonderer Bedeutung. Daneben werden durch eine Gewebeverletzung (hervorgerufen etwa durch ein Trauma oder einen bereits laufenden lokalen Entzündungsprozess) weitere Botenstoffe freigesetzt.
Die Zytokine2 aktivieren das Enzym3 Cyclooxygenase-2 (COX2). Das Produkt dieses nun aktivierten Enzyms ist das Prostaglandin-E2 (PGE2), ein entscheidender Mediator4des Entzündungsprozesses.
Das Prostaglandin-E2 vermittelt die Veränderungen, die für die Entzündung charakteristisch sind: Es erweitert die lokalen Blutgefäße und sorgt so für eine erhöhte Durchblutung, welche die Rötung und Überwärmung der entzündeten Stelle hervorruft. Es macht die Wände der Blutgefäße durchlässig und erlaubt damit den Übertritt von Blutplasma in das Gewebe, wodurch die Schwellung (das charakteristische Gewebs-Ödem = Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe) entsteht.
Findet dieser Prozess in einem bereits vorhandenen Hohlraum (z. B. in einem Gelenk) statt, dann bildet sich auf diese Weise ein Erguss. Die Ödem- bzw. Ergussbildung ist ein sehr frühes typisches Zeichen der Entzündung und kann heute in der Wirbelsäule bei Morbus Bechterew auch z. B. mit Ultraschall oder der Magnetresonanztomographie sehr empfindlich nachgewiesen werden.

Entzündungs-Laborwerte

Die Zytokine2 und Mediatoren4, die diese lokalen Reaktionen vermitteln, können auch systemische1 Effekte auslösen. Dazu müssen sie lokal nur in ausreichender Menge entstehen, so dass sie in den Blutkreislauf übertreten können. Auf diesem Weg induzieren IL-6 und Prostaglandin-E2 an Leberzellen die Synthese von C-reaktivem Protein (CRP), einem „Reaktionsbeschleuniger“ des Immunsystems, da dieses Protein Immunzellen (vor allem Makrophagen) aktiviert und in Bereitschaft versetzt. Die Messung der CRP-Konzentration im Blut eignet sich zur Abschätzung der Schwere der Entzündung, da dessen Produktion eng mit der Konzentration von IL-6 und Prostaglandin-E2 im Blut korreliert und diese wiederum direkt von der Stärke der Entzündung abhängt. Da CRP zudem eine Halbwertszeit von weniger als 24 Stunden aufweist, lässt sich ein Entzündungsprozess damit hervorragend täglich messen, allerdings nur, wenn dieser tatsächlich über IL-6 vermittelt wird. Bei therapeutischer Blockade dieses Zytokins (z. B. bei Behandlung mit Tocilizumab, einem IL-6-Rezeptor-Antikörper) ist selbst bei starken Entzündungsreaktionen keine erhöhte CRP-Konzentration im Blut nachweisbar.

1) das ganze Körpersystem betreffend
2) Zytokine sind Proteine die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren.
3) Enzyme sind Eiweißstoffe, die als Bio-Katalysator der lebenden Zelle beim Auf- und Abbau lebenswichtiger Stoffe eine Rolle spielen.
4) ein Mediator ist ein Vermittlerstoff (z.B.aus der Gruppe der Prostaglandine), der die Synthese von Proteinen reguliert,.

Wollen Sie weiterlesen? Als Mitglied der ehrenamtlich geführten Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew bekommen Sie regelmäßig unsere Zeitschrift mit vielen wichtigen Beiträgen zum Morbus Bechterew zugeschickt. Gleichzeitig unterstützen Sie die Interessenvertretung der Morbus-Bechterew-Patienten.
Zwei von vielen Gründen, möglichst bald Mitglied der DVMB zu werden!