Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 149 (Juni 2017)

Zahnwurzel-Resektion

Mir ist vor einer Woche ein Zahn gezogen worden. Dieser Zahn ist kurzfristig 2mal nacheinander wurzelspitzenreseziert worden, weil die Entzündung einfach nicht abheilen wollte.
Die weiterschreitende Entzündung erforderte die Extraktion des Zahns, der durch ein Implantat ersetzt wurde.
Es ist mehrfach dokumentiert, dass Rheumatiker ein mehrfach erhöhtes Risiko haben, an einer Parodontitis  (Erkrankung des Zahnapparats) zu erkranken, quasi als Folgeerkrankung des Morbus Bechterew, so wie Morbus Crohn, Psoriasis usw. Wie sieht es dann mit der Kostenübernahme durch die Krankenversicherung aus? Braucht man ein Gutachten für die Krankenversicherung?
Wie komme ich an geeignete verantwortungsvolle Implantologen, die sich mit diesem Thema auskennen? Man sollte nämlich Keramik-Implantate einsetzen, statt Metall (laut Internet).
Zum weiteren Verständnis, warum ich davon überzeugt bin, das es vom Morbus Bechterew kommt: ich bekam insgesamt 5 Zähne wurzelreseziert (mehr als das normale Maß, ich bin 44), wovon einer jetzt gezogen wurde. In den 1990ern habe ich meinen ersten Zahn aufgrund der selben Problematik verloren, lange vor meiner Diagnose.
Sandra Vahrenkamp-Herrmann

Antwort von Ulrich Börngen,
Fachzahnarzt für Kieferorthopädie in Leipzig:

Die beschriebene Wurzelspitzenresektion ist die chirurgische Therapie einer Parodontitis apikalis, wenn eine Wurzelbehandlung nicht zum Erfolg geführt hat. Die Ursache für eine Parodontitis apikalis ist IMMER eine Infektion des Wurzelkanals, ausgehend von einer Karies. Das heißt, dass es definitiv keinen kausalen Zusammenhang zwischen Morbus Bechterew und Wurzelspitzenresektion geben kann. Es sei denn, man wäre aufgrund seiner Erkrankung nicht in der Lage, seine Zähne richtig zu putzen.
Davon zu unterscheiden ist die Parodontitis marginalis, also die infektiöse Erkrankung des Zahnhalteapparats, früher Parodontose genannt. Hier wird in der Tat in der Literatur ein Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen erwähnt, jedoch eher dahingehend, dass eine Parodontalerkrankung eine ankylosierende Spontylitis im Verlauf ungünstig beeinflussen kann, nicht umgekehrt!
Hinsichtlich einer Kostenübernahme einer Implantatversorgung sind die Richtlinien der gesetzlichen Kassen klar: Eine Implantatversorgung wird unabhängig von der Ursache des Zahnverlustes nicht bezuschusst. Lediglich die Zahnkronen können unter bestimmten Bedingungen von der Kasse zum Teil erstattet werden.
Ich bin Kieferorthopäde, kein Implantologe. Jedoch ist mir bekannt, dass sich Titan als Werkstoff für den Implantat-Körper millionenfach bewährt hat. Auch aus Stabilitätsgründen würde ich von anderen Materialien abraten. Aus welchem Material die Krone gefertigt wird, können Sie dann mit Ihrem Zahnarzt beraten.
Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel der Materie bringen.

Antwort von Dagmar Kirschner, Zahnärztin in Cottbus:

Der Verlust von Zähnen infolge von Wurzelspitzenresektionen hat nichts mit rheumatischen Erkrankungen zu tun. In diesem Fall hat die Karies fortschreitend eine Entzündung des Zahnmarks bewirkt. Durch die sehr individuelle und oft verzweigte Gestaltung des Wurzelkanals kann eine Wurzelbehandlung erschwert sein und auch eine Wurzelspitzenresektion nicht immer zum Erfolg führen.
Es gibt erfahrene Kieferchirurgen (die bestimmt auch dem behandelnden Zahnarzt bekannt sind), die sich auf Implantate spezialisiert haben und auch wissen, ob und welches Implantat am besten geeignet ist – speziell für Rheumatiker, welche Vorbereitungen eventuell nötig sind und welche Kosten entstehen. Den Kostenvoranschlag legt man der Krankenkasse vor, um die Erstattung zu klären. Eine ärztliche Zweitmeinung kann man auch in Erwägung ziehen.
Besonders wichtig bei Implantaten ist die anschließende Mundhygiene und spezielle Pflege der Implantate.