Aus dem Morbus-Bechterew-Journal Nr. 149 (Juni 2017)

Sport mit Morbus Bechterew? Warum? Und wenn ja: Wie?

Neue Initiative „RheuMotion“ will Ärzte und Patienten in Bewegung bringen.

von Privatdozent Dr. Xenofon Baraliakos, Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne, und Dr. Philipp Sewerin, Poliklinik und Hiller Forschungszentrum für Rheumatologie im Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Ludwig Hammel, Geschäftsführer der DVMB, referiert über die inneren Widerstände aus Patientensicht.
Ludwig Hammel, Geschäftsführer der DVMB, referiert über die inneren Widerstände aus Patientensicht.

Die positiven Effekte von Sport sind heute unbestritten. Das bedeutet leider nicht, dass dieses Wissen auch umgesetzt wird. Der aktuelle Report der Deutschen Krankenversicherung zusammen mit dem Zentrum für Gesundheit durch Bewegung und Sport der Deutschen Sporthochschule Köln „Wie gesund lebt Deutschland?“ (DKV Report) zeigt, dass 2016 nur 45 Prozent der Befragten die Mindestaktivitätsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO)1 erreichten. Diese entsprechen 150 Minuten Bewegung pro Woche.
Doch nicht nur vor diesem Hintergrund, sondern auch als therapeutische Säule kommt das Thema im Gespräch zwischen Arzt und Patienten mit rheumatischen Erkrankungen häufig zu kurz. Auch in der „S3-Leitlinie zur Behandlung der Axialen Spondylarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“2 der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) wird das Thema Sport zwar aufgegriffen, fristet aber, wie andere nicht-pharmakologische Behandlungen auch, eher ein Schattendasein.
Befragungen und Erhebungen zeigen immer wieder: Bewegungsmangel ist bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen der Gelenke und der Wirbelsäule häufig. Hier im wahrsten Sinne Bewegung in die Diskussion zu bringen, ist Anliegen der Initiative „RheuMotion“.3
Bei der Auftaktveranstaltung am 10./11. Februar 2017 in Wiesbaden mit 8 Vorträgen zu diesem Thema diskutierten Rheumatologen, Psychologen, Orthopäden, Physio- und Sporttherapeuten sowie Vertreter der Patientenorganisationen auf Einladung der Firma AbbVie die neuesten Aspekte zum Thema Autoimmunerkrankungen und Sport.
Argumente, keinen Sport zu treiben, gibt es viele: Schmerzen, keine Schmerzen, Zeitmangel, eingeschränkte Beweglichkeit, fehlende Motivation u.v.m., wie Ludwig Hammel, Geschäftsführer der DVMB, in seinem Vortrag „Sport – eigentlich mag ich gar nicht!“ – Die inneren Widerstände aus Patientensicht“ ausführte.
Hinzu kommt die Sorge vieler Patienten, dass sich körperliche Betätigung negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken könnte. Die krankheitsbedingten entzündlichen Prozesse führen zu Schmerzen, Verknöcherungen und dem Abbau von Muskulatur. Viele Patienten reagieren darauf mit Schonhaltungen und Fehlbelastungen. Dies führt letztlich zu erneuten Schmerzen. Ein Teufelskreis beginnt. Die gute Nachricht: Durch Sport ist es möglich, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

1) MBJ Nr. 140 S. 16
2) MBJ Nr. 140 S. 21–22, Nr. 146 S. 4–7
3) Geplant sind weitere Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte sowie Veranstaltungen, die sich auch an Patienten richten.

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