Nahrungsmittel-Steckbrief
Rote Bete
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Um eventuellen Fragen oder Diskussionen über die korrekte Schreibweise dieser Gemüsepflanze vorzubeugen: Ja, die laut Duden richtige Schreibweise ist „die (weiblich) Rote (mit großem R geschrieben, weil Teil eines Substantivs) Bete (mit nur einem e)“. In manchen Regionen des deutschen Sprachraums ist auch die Schreibweise „rote Beete“ geläufig, allerdings wird sie nur toleriert und ist streng genommen nicht korrekt. Im Englischen schreibt man übrigens „Beetroot“, was für die korrekte Aussprache wichtig ist und keine weiteren Diskussionen erfordert. Wer hierzulande alle Zweifel umgehen will, kann auch „Rote Rübe“ sagen. In der Schweiz spricht man von „Randen“ und in Teilen Süddeutschlands sowie Österreichs von „Rahnen“.
Botanik, Herkunft und Verbreitung
Die Rote Bete (botanisch Beta vulgaris) gehört – wie Amaranth und Mangold – zur Familie der Fuchsschwanzgewächse, botanisch Amaranthaceae. Ihre ursprüngliche Heimat liegt wahrscheinlich in den nordafrikanischen Regionen nahe am Mittelmeer. Sie hielt aber sehr bald Einzug in allen weiteren Mittelmeerländern – etwa um 2.000 vor Chr. – und war z. B. bei den Römern sehr beliebt. Während zuvor die Blätter mehr genutzt wurden, ist den Römern die Kultivierung mit besonderem Augenmerk auf die Knolle zu verdanken. Erst im 16. Jahrhundert hielt die Rote Bete bei uns Einzug in die Küchen. Die weitere Kultivierung der Roten Bete bzgl. Farbtiefe und Form der Knollen geschah dann im 19. Jahrhundert.
Die Ansprüche der Roten Bete beim Anbau sind eher mäßig; zwar ist ein einigermaßen nährstoffreicher und lockerer Boden wichtig, aber ansonsten ist kein großer Aufwand zu betreiben. Die Aussaat vor Ort erfolgt frühestens ab Mitte April, die Ernte dann im Herbst, spätestens vor dem ersten Nachtfrost. Solange die Blätter noch saftig aussehen, können Sie beim Kochen mitverwertet werden (s. u.). Die Knollen der Roten Bete lassen sich gut lagern, weshalb sie auch in unverarbeiteter Form, dann aber ohne Blätter, bis in den Winter hinein käuflich zu erhalten sind.
Neben der Roten Bete mit durchgehend rot gefärbter Knolle gibt es auch eine rot-weiß geringelte sowie weitere Varianten, wie z.B. die Gelbe Bete. Die Rote Bete hat inzwischen in ganz Mitteleuropa und auch in Skandinavien ihren festen Platz im Garten bzw. größeren Anbauregionen und natürlich in der Küche. Die Rote Bete ist heutzutage eine Weltbürgerin. Anbauregionen finden sich in den gemäßigten bis subtropischen Zonen vor allem in Europa und Nordafrika, aber auch in Asien, Nord- und Südamerika sowie Australien und Neuseeland.
Kulinarische Verwendung
Die Rote Bete hat einen leicht süßen, unterschiedlich stark ausgeprägt auch etwas „erdigen“ Geschmack. Jüngere Exemplare und kleinere sowie kürzer gelagerte Knollen schmecken oft weniger „erdig“. Sie können roh geraspelt oder in hauchdünnen Scheiben zum Salat gegeben werden. Häufiger werden sie aber ohne vorheriges Schälen im Ganzen weich gedünstet und dann erst geschält und weiterverarbeitet. Im traditionellen norddeutschen Labskaus darf die Rote Bete ebenso wenig fehlen wie im polnischen Suppengericht Barszcz. Im schwedischen Rödbetssallad wird sie mit Äpfeln, Zwiebeln, Senf und Mayo bzw. saurer Sahne vermischt, ggf. kommen auch Dill und Hering dazu. Im griechischen Rote-Bete-Salat Patzarosalata werden Joghurt, Zitronensaft, Knoblauch, Olivenöl und Dill verwendet. Eine bulgarische überbackene Version enthält Schafskäse, Walnüsse, Rosmarin und Honig. Die Rote Bete eignet sich auch zum Fermentieren, wie z. B. im koreanischen Rote-Bete-Kimchi (Beet Mulkimchi). Eines meiner absoluten geschmacklichen Highlights war ein Rote-
Bete-Carpaccio mit Reh-Medaillons.
Symbolik, Historie, Traditionen
In manchen Kulturen war die Rote Bete eher negativ symbolisch behaftet, was wohl mit der roten Farbe, die ja beim Schälen nachhaltig die Hände einfärbt, zusammenhängen mag. Sie wurde im Mittelalter als Unglücksomen oder gar als Symbol des Teufels angesehen und galt allgemein als unrein. Allerdings wurde sie durchaus als Färbemittel für Textilien verwendet.
Traditionelle Verwendung als Heilmittel
Im antiken Griechenland wurde Rote Bete als Heilmittel verwendet. Hippokrates empfahl die Blätter zum Verbinden von schlecht heilenden Wunden. Laut Hildegard von Bingen soll man „gekochte Rüben (…) essen, wenn der Körpersaft zur Geschwürbildung führt“. Die Volksmedizin weiß übrigens schon lange, dass die Rote Bete auch Abhilfe bei Erektionsstörungen schaffen kann, was aus heutiger Sicht mit ihrem Nitratgehalt und der dadurch im Körper entstehenden Gefäßerweiterung und Mehrdurchblutung zu erklären ist – was aber evtl. auch der Grund dafür ist, dass sie im dunklen Mittelalter als unrein galt.
Besondere Inhaltsstoffe
Die Rote Bete hat einen hohen Gehalt an Eisen, Kalium, Folsäure und weiteren B-Vitaminen. Besonders wichtig sind aber die sekundären Pflanzenstoffe, allen voran die Betalaine und Polyphenole. Von den Betalainen ist vor allem das Betanin zu erwähnen (welches auch für die rote Farbe verantwortlich ist), daneben Isobetanin und Betaxanthin (welches gelbe Farbtöne bringt, wie in der Gelben Bete). Wichtig ist auch der Nitratgehalt von Roter und Gelber Bete, der von 250 bis 2500 mg/kg reichen kann, je nach Wachstumsbedingungen inkl. Düngung. Als eine wichtige Gruppe von Polyphenolen sind Flavonoide wie Quercetin und Kämpferol reichlich enthalten.
Warum ist die Rote Bete gerade für Menschen mit Spondyloarthritis so wertvoll?
Im Folgenden beziehe ich mich sowohl auf das Blattgemüse als auch auf die Knollen.
1. Kann chronische Entzündungen begrenzen
Rote Bete kann dabei helfen, chronische Entzündungen zu begrenzen. Sie hat ein hohes antioxidatives Potential. Vor allem das Betanin wirkt als Radikalenfänger. Im Tierversuch wurde die entzündungshemmende und gelenkschützende Wirkung von Betanin aufgezeigt.[1]
Der genauere Weg der entzündungshemmenden Wirkung von Betanin wurde in verschiedenen Studien laborexperimentell aufgezeigt: Die für die Realisierung der Entzündung wichtigen COX-2-Enzyme werden gehemmt, bei hohen Dosen von Betanin sogar vergleichbar mit der Wirkung des antientzündlichen Schmerzmittels Celecoxib, einem sogenannten COX-2-Hemmer. Und genau wie ein COX-2-Hemmer beeinflusst auch Betanin nicht das für den Schutz der Magenschleimhaut wichtige Enzym COX-1.[2] Der für die Aktivierung von Entzündung wichtige Faktor NF-ĸB wird zudem gehemmt durch Betalaine, wodurch letztendlich die Produktion von TNF-Alpha und Interleukin 6 verringert wird.[3]
2. Hilft bei der Infekt-Abwehr
Rote Bete ist hilfreich zur Unterstützung unserer Infekt-Abwehr. Vorrangig ist hier wohl der antimikrobielle Effekt der Betalaine. Laborexperimentell wurde für Betanin aus Roter Bete eine hemmende bis komplett abtötende Wirkung gezeigt auf Staphylokokken (Staph. aureus und vor allem auch auf MRSA = multiresistente Staph.), auf Enterokokken (Ent. faecalis), auf Listerien, auf Bacillus cereus sowie auf E. coli, Salmonellen und Pseudomonas aeruginosa.[4] Auch eine Wirkung gegen Haut- und Schleimhautpilze ist beschrieben. Neben dem Betanin ist auch der Eisengehalt von 0,5–0,9 mg/100 Gramm (Tagesdosis für Erwachsene 10 mg) wichtig für unsere Abwehr.
3. Ist gut für das Mikrobiom im Darm
Rote Bete ist hilfreich für unser Mikrobiom im Darm. Sie enthält 2,5–3 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm sowie reichlich Flavonoide. Außerdem ist die örtlich wirksame antimikrobielle und antimykotische Wirksamkeit hier hilfreich.
4. Unterstützt Muskulatur und Knochen
Rote Bete kann unsere Muskulatur und unseren Knochenstoffwechsel unterstützen und hilfreich bei der Vorbeugung vor Sarkopenie und Osteoporose sein. Die enthaltene Folsäure (83–93μg/100 Gramm = 23 % der Tagesdosis eines Erwachsenen) ist nützlich für den Knochenaufbau, während für die Muskulatur das anorganische Phosphat hilfreich ist. Anorganisches Phosphat wird im Körper in zwei Schritten zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt und führt zu Gefäßerweiterung und Mehrdurchblutung der Muskulatur. Rote-Bete-Extrakt gilt unter Sportlern quasi als legitimes Doping: Es findet sich für mehrere Sportarten (wie Radfahren, Schwimmen, Kampfsport) eine starke Evidenz für den positiven Einfluss auf die Kraft und Ausdauer und – bei regelmäßigem Konsum – auch auf das Maß der Herz-Lungen-Leistung VO2-Max und damit auf die Sauerstoffversorgung der Muskulatur.[5] Es ist allerdings in Verbindung mit Nitrat immer zu beachten, dass bei höheren Dosen durch überdüngte Pflanzen und bei ungünstiger Zubereitung Nitrosamine entstehen können und damit potentiell cancerogene Stoffe (s. u.).
5. Unterstützt das Herz-Kreislauf-System
Rote Bete hat günstige Effekte auf unser Herz-Kreislauf-System. Die den Blutdruck senkende Wirkung wurde in Studien wiederholt berichtet und meist mit dem Nitratgehalt erklärt, z. B. in einer 2022 veröffentlichten britischen Pilotstudie mit Cross-over-Design bei
gesunden Versuchspersonen.[6] In einem systematischen Review mit einer Metaanalyse aller placebokontrollierten Studien zum Effekt von Rote-Bete-Saft auf den Blutdruck bei vorhandener Hypertonie errechnete ein schwedisches Forschungsteam eine durchschnittliche Senkung des systolischen Blutdrucks um etwa 5 mmHg, bei deutlichen Unterschieden innerhalb und zwischen den erfassten Studien. Insgesamt wird die Evidenz von den Autor:innen allerdings als schwach bezeichnet.[7] Neben dem Nitratgehalt ist auch der Kaliumgehalt der Roten Bete zu berücksichtigen, mit 336 mg/100 Gramm (Tagesdosis 2000 mg für Erwachsene), dies bei geringem Natriumgehalt (von nur 58 mg/100 Gramm). Im Weiteren sind die in Roter Bete enthaltenen 13 verschiedenen Arten von Betalainen auch hier wichtig, denn sie haben eine Wirkung, die einer wichtigen Gruppe von Medikamenten entspricht, die den Blutdruck senken: Sie hemmen das Enzym ACE, je nach Verarbeitungsweise allerdings in unterschiedlichem Ausmaß.[8]
6. Mögliche Effekte auf Krebszellen
Rote Bete kann uns offenbar unterstützen in der Vorbeugung und im Kampf gegen bestimmte Krebsarten (laut Labor- und Tierversuchen gilt das für Brust-, Prostata- und Dickdarmkrebs). Die Betalaine haben eine doppelt wichtige Funktion: Sie verstärken die Apoptose, d.h. den Zelltod von Krebszellen und deren Vorstufen, und darüber hinaus wirken sie wachstumshemmend auf Krebszellen. Unterstützend wirken hier auch die Flavonoide Quercetin und Kämpferol sowie weitere Polyphenole.[9]
7. Untertsützt die Gehrinleistung
Rote Bete hat ein neuroprotektives Potenzial. Sie kann uns unterstützen in der geistigen Leistungsfähigkeit – bis hin zur Vorbeugung von Alzheimer-Demenz. Dies wird erklärt durch die antioxidative Wirkung der Betalaine, die verbesserte Hirndurchblutung aufgrund des Nitratgehalts, wobei auch der Ionenfluss bzgl. Kalzium an den Nervenzellen offenbar profitiert.[10] Eine unterstützende Wirkung ist auch hier von den Flavonoiden zu erwarten, da sie zusammen mit den Betalainen dem Mikrobiom nützen und somit die Darm-Hirn-Achse positiv beeinflussen können.
8. Effekte auf Blutzucker und Blutfette
Bezüglich der oft diskutierten antidiabetischen und der cholesterinsenkenden Wirkung von Roter Bete gibt es übrigens laut aktueller Reviews zwar zahlreiche Hinweise, aber noch keine ausreichenden Belege.[11]
Achtung:
Rote Bete enthält recht viel Oxalat, was Personen mit Nierensteinen einkalkulieren müssen. Die Pflanze ist ein Nitrat-Sammler und kann je nach Anbaumethode und Düngung ein Übermaß an Nitrat enthalten, sodass der ursprünglich positive Einfluss zum Risiko werden kann.
Einkauf, Lagerung, Anbau und Verwendung
Rote Bete sollte man möglichst in Bioqualität kaufen, vor allem auch dann, wenn die Blätter mit verwendet werden sollen. Da die Pflanze ein Nitratsammler ist, kann die Knolle bei konventionellem Anbau und großzügiger Düngung zu viel Nitrat enthalten. Wenn sie dann noch zusammen mit eiweißreichen Lebensmitteln erhitzt oder gar überbacken wird, können Nitrosamine entstehen. Diese sind als potentiell krebserregend einzustufen.
Die Blätter der Roten Bete sollten frisch verarbeitet werden, solange sie prall und knackig aussehen. Hier ein Beispiel für ein schnelles Pastagericht: Man trennt die Stiele von den eigentlichen Blättern, brät die kleingeschnittenen Stiele mit etwas Vorsprung vor den grob gehackten Blättern in Olivenöl an, gibt etwas Ahornsirup dazu und ein wenig Salz, köchelt alles noch ein paar Minuten und serviert es dann auf Spaghetti oder Linguine.
Die Knollen der Roten Bete halten sich durchaus 1–2 Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks, am besten in Bienenwachsfolie eingewickelt. Ihre Zubereitung kann geschält und roh geraspelt erfolgen, die gekochte Version benötigt etwas mehr Zeit. Sie werden in dem Fall nicht geschält, sondern nur abgewaschen und in ausreichend Wasser weichgekocht, was je nach Größe der Knolle 20–30 Minuten dauern kann. Der Test, ob sie gar sind, kann mit einer Gabel- oder Messerspitze erfolgen. Das Kochwasser können Sie übrigens aufheben und später als Getränk nutzen – es enthält, wie seine Farbe verrät, Betanin. Nach einer kurzen Abkühlzeit werden die Knollen geschält; wer keine roten Hände behalten will, zieht dabei Handschuhe an. Die weitere Verarbeitung kann als Beilage, püriert oder gestückelt und mit andern Gemüsearten gemischt als Suppe oder zusammen mit farbenfroh kombinierten vorgegarten Gemüsesorten als Auflauf im Ofen oder auch in einem Salat erfolgen. Hier ein Beispiel: Nach Art eines Carpaccio in sehr dünne Scheiben geschnitten, mit Ahornsirup und Aceto balsamico beträufelt, mit klein gehackten Walnüssen bestreut, mit Olivenöl oder Walnussöl sowie ein wenig Salz angemacht und mit etwas festerem, in Scheiben geschnittenem Ziegenfrischkäse belegt, ist ein Rote-Bete-Salat zugleich ein Augenschmaus und ein Gaumenschmaus.
Ich hoffe, Ihnen reichlich Appetit gemacht zu haben auf dieses gesunde, über den ganzen Herbst und Winter erhältliche Nahrungsmittel.