Therapie
bei Morbus Bechterew

Was Sie tun können

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Morbus Bechterew ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Eine gut abgestimmte Therapie kann den Krankheitsverlauf verlangsamen oder ganz zum Stillstand bringen.

Eine Behandlung umfasst meist die Schmerzlinderung, Physiotherapie und die Abmilderung der Gelenksentzündungen.

Um die Beweglichkeit und die Lebensqualität zu erhöhen, ist eine aktive Mitwirkung der Betroffenen wichtig.

Therapiemöglichkeiten

Bewegungstherapie


Bewegung ist die wichtigste Säule in der Therapie. Die Bewegungstherapie begleitet Betroffene von der Diagnose an – ein Leben lang. Sie schult Betroffene, bestimmte Muskeln zu kräftigen und die Wirbelsäule möglichst beweglich zu halten. Gezielte Haltungsübungen für den Alltag fördern eine aufrechte Körperhaltung.

Bestimmte Sportarten, wie z. B. Nordic Walking, Wandern, Radfahren oder Rückenschwimmen, werden von vielen Betroffenen als geeignete Sportarten empfohlen.

Bewegung macht in der Gruppe mehr Spaß und schafft auch für einen selbst mehr Verbindlichkeit. In den Gruppen vor Ort wird von geschulten Physiotherapeut:innen oder Krankengymnast:innen das Bewegungstraining als Funktionstraining oder Rehabilitationssport angeboten.

Unsere örtlichen Gruppen

... bieten ein gezieltes Training, das die Beweglichkeit erhält und Schmerzen lindern kann

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2-Säulen-Therapie

Die Therapie bei Morbus Bechterew basiert auf zwei Säulen. Dr. Laura Spiller, Fachärztin für Innere Medizin in der Rheumatologie am Benjamin-Franklin-Campus der Charité Berlin, erläutert sie in unserem Film.

Medikamentöse Therapie

 

Die medikamentöse Therapie zielt in erster Linie darauf ab, die Entzündung im Körper zu senken.

Nichtsteriodale Anthirheumatika (NSAR)

Bei der medikamentösen Therapie kommen zunächst die sogenannten „NSAR“ (kortisonfreie Medikamente) zum Einsatz, wie z. B. Diclofenac oder Indometacin. Um die Entzündung zu hemmen, werden diese Medikamente nicht nur nach Bedarf angewendet, sondern teilweise auch über mehrere Tage oder Wochen eingenommen. Dabei ist es wichtig, auf mögliche Nebenwirkungen zu achten.

Kortikosteroide (auch Glukokortikoide)

sind cortisonähnliche Medikamente. Sie wirken stärker als die NSAR, kommen allerdings nur kurzfristig zum Einsatz, um akute Entzündungen zu hemmen. Kortikosteroide werden auch bei einer Iritis (Entzündung der Augenregenbogenhaut) äußerlich als Augentropfen eingesetzt. 

Basistherapeutika

Wenn die Entzündungen nicht nur die Wirbelsäule betreffen, sondern auch z.B. Schulter-, Hüft- oder Kniegelenke, kommen bei Morbus Bechterew auch Basistherapeutika wie z.B. Sulfasalazin zum Einsatz.  

Biologika

werden bei einem sehr aktiven Morbus Bechterew eingesetzt. Dabei handelt es sich um gentechnisch hergestellte Medikamente, die körpereigenen Eiweißmolekülen nachempfunden sind und viel gezielter in die Entzündungsprozesse eingreifen. Hier gibt es zwei Wirkmechanismen: Die TNF-Blocker (Infliximab, Etanercept, Adalimumab, Certolizumab, Golimumab) hemmen den entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha, die Interleukin-Hemmer (Secukinumab, Ixekizumab) hemmen den Botenstoff Interleukin 17.

JAK-Inhibitoren 

Im Gegensatz zu den Biologika blockieren die JAK-Hemmer (Tofacitinib, Baricitinib, Upadacitinib, Filgotinib) nicht die entzündigungsfördernde Botenstoffe im Blut, sondern wirken in der Zellen und unterbrechen dort den Signalweg der Entzündung. Die Europäische Arzneimittelagentur hat den Einsatz von JAK-Inhibitoren wegen Sicherheitsbedenken eingeschränkt (mehr dazu in diesem Artikel).

Tipps für den Urlaub mit Medikamenten

Bericht lesen

Medikamente

Denis Poddubnyy, Leiter der Rheumatologie am Benjamin-Franklin-Campus der Charité Berlin, gibt in unserem Film einen Überblick über die Medikamente, die zur Behandlung bei Morbus Bechterew eingesetzt werden.

 


Operativer Eingriff

Eine Aufrichteoperation wird bei Morbus Bechterew selten angewendet. Sie kommt zum Einsatz, wenn die Versteifung des Rückens zur gekrümmten, vornüber geneigten Stellung (Kyphose) geführt hat. Wenn die Beweglichkeit der Hüftgelenke wiederhergestellt werden muss, kann es erforderlich sein, ein künstliches Hüftgelenk einzusetzen. Auch Operationen am Knie- und Handgelenk können notwendig werden.

 

 

 

Weitere Therapien

Wärme- und Kälte-Therapie

In der medizinischen und therapeutischen Praxis werden Fangopackungen, Infrarotbestrahlung, Elektrotherapie oder ähnliche durchblutungsfördernde Maßnahmen eingesetzt. Bei stationären Heilbehandlungen sind auch Thermalbäder oder warme Moorbäder möglich.

Ganzheitliche Ansätze

In verschiedenen Kurorten gibt es Behandlungen mit dem radioaktiven Edelgas Radon (z. T. in Kombination mit Überwärmung), dem viele Morbus-Bechterew-Betroffene eine Besserung verdanken. Die Strahlenbelastung kann hier gegenüber der heilenden Wirkung vernachlässigt werden.

Weitere Ansätze

Ernährung

Viele Betroffene mit Morbus Bechterew suchen nach ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten zur medikamentösen Therapie. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Ernährung. Verschiedene Studien geben Hinweise darauf, dass eine entzündungshemmende Ernährung die Behandlung unterstützt. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Ernährung bei Morbus Bechterew.

Alternative Heilmethoden – Cannabis

Cannabis steht seit einigen Jahren als Heilmittel im Fokus der Öffentlichkeit. Der Gesetzgeber hat 2017 mit bestimmten Voraussetzungen den Einsatz von Cannabisarzneimitteln erleichtert. Auf der Grundlage einer Begleiterhebung von 2017 bis 2022, die auch Praxiserfahrungen berücksichtigt hat, hat der Gemeinsame-Bundesausschuss (G-BA) die Regelungen der Verordnung aktualisiert. Seit Ende Juni 2023 gibt es eine aktualisierte Richtlinie. Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Verordnung von medizinischem Cannabis finden Sie hier.

 

Individuelle Therapie

Beratung